Wege aus der Krise 1

Wege aus der Krise - Selbstmotivation als Rettung?

Wir leben in einer Zeit, in der kreative Arbeit und intelligentes Handeln mehr und mehr an Bedeutung gewinnen, weil Maschinen die Tätigkeiten übernehmen, die körperlich anstrengend und repetitiv sind. Dieser Trend reicht von vollautomatischen Autofabriken bis hin zu intelligenten Robotern, die auch die Krankenpflege übernehmen oder Software, die in jede beliebige Sprache übersetzt.

Diese technologischen Veränderungen haben gravierende Auswirkungen auf die Anforderungen an jeden Einzelnen auf dem Arbeitsmarkt. Kreativität, Teamarbeit und Selbstorganisation sind dabei zentrale Schlagworte, ohne die kaum noch eine Jobbeschreibung auskommt. Und genau diese Fähigkeiten verlangen ein hohes Maß an Selbstmotivation: hier verstanden als die Fähigkeit, aus eigenem Antrieb zu handeln und zu grundlegend neuen Lösungen zu kommen. Nicht wenige Menschen geraten aufgrund dieser massiven Anforderung an ihre Persönlichkeit zunehmend unter Druck und manche auch in die ein oder andere Krise.

Darum will folgender Artikel sich mit der Frage beschäftigen, wie man mit einer solchen Krise umgehen kann, indem man sie aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Doch wie schafft man es, sich eine neue Perspektive auf eine Sache oder Situation zu eröffnen?

Indem man eine neue Frage stellt.

Betrachten wir uns dazu unsere Überschrift genauer: "Wege aus der Krise – Selbstmotivation als Rettung?" Je nachdem nämlich, wie man die einzelnen Begriffe hier versteht, lässt sich diese Frage ganz unterschiedlich beleuchten.

1) Motivation

1.1 Extrinsisch oder intrinsisch?

Wie hätten Sie Ihre Motivation denn gerne? Extrinsisch oder intrinsisch? Gute Noten, Lob, ein ordentliches Gehalt, gute Freunde und Hobbies halten uns auch bei eher drögen und wenig spannenden Aktivitäten oft Jahre bei Laune – scheinbar geht es hier auch ohne intrinsische Motivation. Erst wenn eine Arbeitskrise hereinbricht, für die es keine externe Erklärung gibt, spielt das Thema "Motivation" plötzlich eine Rolle und man will die abgenutzte Arbeitsmoral erstmal einfach "reparieren".

1.2 Keine Handlung ohne Motivation

Für eine gegebene Handlung gibt es immer ein Motiv, ein wozu oder warum. Sei es der blanke Wunsch der Existenzsicherung, sei es das Streben nach besonderen Konsumgütern, Reisen und Erfahrungen oder auch nur das Streben nach Verbesserung und Fortschritt in einem beliebigen Gebiet.

Warum also sind wir in diese Krise gelangt? Was ist ihr Sinn oder Motiv?

2) Die Krise

2.1 Krise als ein Zustand, aus dem es herauszukommen gilt

Ein höchst unerwünschter Zustand. Sehr unangenehm, sowohl für einen selbst als auch für andere. Das muss wieder aufhören. So schnell wie möglich soll es heißen: "Problem erkannt, Problem gebannt."

2.1 Krise als eine Herausforderung, die es zu meistern gilt

Die Krise als der Zustand mit dem größten Wachstumspotential. Fast vergleichbar mit einer schmerzhaften Geburt von etwas Neuem und Schönem. Dieser Prozess ist zwar zuweilen sehr unangenehm und vielleicht auch schmerzhaft, aber man weiß, dass die Mühen lohnen werden und etwas noch viel Besseres, das man sich jetzt noch gar nicht vorstellen kann, auf einen wartet.

3) Wege …

3.1 aus der Krise

"Nichts wie raus hier!" Lautet die Devise. Je schneller, desto besser. Also sagen Sie mir einfach, was ich tun soll, damit das aufhört!

3.2 durch die Krise

Die Krise wird als vorübergehender Zustand wahrgenommen. Man weiß zwar noch nicht genau, wann das Ende kommen wird, aber es ist in Reichweite. Trotzdem ist die Krise noch der gegenwärtige Zustand. Etwas, "wo man durch muss". Wie kann Selbstmotivation hier also helfen, diese Zeit möglichst gut zu überstehen und am besten noch zu verkürzen?

3.3 in der Krise

Die Krise ist hier erst einmal der gegebene Zustand. Er kann nicht einfach willentlich und sofort beendet werden, nur weil er gerade vielleicht "nicht erwünscht" ist. Stattdessen muss man unter der Voraussetzung der Krise weitermachen. Und das auch dann, wenn man nicht weiß, wie lange die Krise andauern wird.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, haben wir nun mehrere sehr unterschiedliche Perspektiven auf das Thema eröffnet und es bleibt die Frage, welche von ihnen wir uns in einer gegebenen Situation zu eigen machen wollen.
Wichtig dabei: Was geschieht mit unserer Motivation, wenn wir uns für eine dieser Sichtweisen entscheiden?

Fühlen wir uns in unserer Handlungsfähigkeit bestärkt oder geschwächt?

Welche Vorstellungen machen uns Mut und welche Angst?

Und welche Handlungen werden sich aus diesen Perspektiven ergeben?

Und zu welchen Ergebnissen werden diese Handlungen wahrscheinlich führen?

Manchmal lassen sich Krisen einfach nicht vermeiden. Sie sind vielleicht sogar ein notwendiger Bestandteil der Veränderungen, denen wir und unsere Umwelt ständig unterliegen. Es kann dann also nur noch darum gehen, wie wir mit einer gegebenen Krisensituation umgehen: ob wir in Stress und Angst geraten, uns vielleicht sogar die Schuld für unserer Probleme geben. Oder ob wir sowohl unseren Beitrag als auch den unseres Umfeldes zu dieser Situation erkennen können. Und schließlich ob wir uns in der Lage sehen, diese Krise auch als eine Herausforderung zu betrachten, an der wir wachsen werden, wenn wir den Mut haben, uns ehrlich damit auseinander zu setzen.  

Egal, für welche Perspektive wir uns entscheiden, wir sollten uns klar machen, dass wir entscheiden und welche Auswirkungen diese Entscheidung auf unsere Reaktion haben wird. Und um hier in Zukunft eine neue Entscheidung treffen zu können, sind Fragen oft ein einfaches, aber machtvolles Mittel. 

Ich möchte diesen Artikel darum auch mit einer Frage schließen: Welche Perspektive auf das Thema "Selbstmotivation" wird mir in (m)einer Krise am meisten weiterhelfen?

Von Michaela Vogl

Veröffentlicht am 05.04.2017

Bei dem hier veröffentlichen Blogeintrag handelt es sich lediglich um die persönliche Meinung des Autors und nicht um die offizielle Meinung der HDK Heidelberg Kolleg UG (haftungsbeschränkt)