Was ist der Unterschied von Coaching und Beratung?

Brauche ich Coaching oder Beratung?

Für wen ist Coaching das Richtige und für wen Beratung?

In was und wofür investiert man hier?

Kurz gesagt: worauf lässt man sich da eigentlich ein?

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Coaching und Beratung sind eng miteinander verbunden und werden bisweilen sogar synonym verwendet. So liest man z.B. der "eigentliche[...] Kerngehalt von Coaching" sei die "Beratung und Begleitung von (einzelnen) Menschen“ (Möller & Kotte 2016, S. 38) bzw. spricht man auch von dem „sich großer Beliebtheit erfreuenden Beratungsformat Coaching“ (ebd., S. VII). Hier wird Coaching als Unterkategorie beratender Tätigkeiten beschrieben und auf der anderen Seite die Beratung als Kernaktivität von Coaches betrachtet.

So weit, so gut.

Worin liegt dann aber der Unterschied von Coaches zu Beratern? Warum sollte ich zu einem "Coach" gehen und nicht zu einem "Berater", wenn die Haupttätigkeit von Coaches eben die Beratung ist?

1) Persönlichkeit vs. Fachbezug

Ein fachlicher Berater, z.B. ein Steuerberater, geht bei einer erfolgreichen Sitzung davon aus, dass er das Problem seines Klienten durch sein Fachwissen löst. Das Ziel eines Coaches ist es dagegen mit seinem Klienten eine gemeinsame Lösung zu entwickeln. Dazu gibt er gegebenenfalls auch fachliche Ratschläge - gute Coaches im Bereich Steuern sollten hier auch gute Berater mit idealerweise langjähriger Berufserfahrung sein -, aber er ist auch in der Lage auf die Persönlichkeit seines Klienten im Umgang mit Geld einzugehen. Spielt der Klient gerne auf Risiko? Oder ist ihm Sicherheit wichtiger? Fällt es ihm leicht sich mit dem Thema Steuern zu beschäftigen? Oder würde er sich am liebsten überhaupt nicht damit beschäftigen? Und warum – oder warum nicht? Oder: Welche Ziele verfolgt der Klient letztendlich? Und warum sind diese für ihn so wichtig?

Durch die Fähigkeit auch auf die psychologische Ebene eines Problems einzugehen, ist ein Coach in der Lage, zu einer dauerhaften Zufriedenheit seiner Klienten beizutragen, indem er beim Klienten mehr Klarheit herbeiführen und Raum für Reflexion bieten kann.

2) Methodenvielfalt vs. Expertenwissen

Um individuell auf jeden Klienten eingehen zu können, muss ein Coach über eine Methodenvielfalt verfügen. Diese erlaubt es ihm, das Problem des Klienten aus möglichst vielen verschiedenen Perspektiven zu sehen und so die für die jeweilige Person passende Herangehensweise auszuwählen.

Ein reiner Berater dagegen tritt als Experte auf und hat ein vertieftes und oft auf jahrelanger Erfahrung basierendes Wissen in seinem Fachgebiet. Hat man seine Fragen und Probleme bereits glasklar herausgearbeitet, wird der richtige Berater hier Gold wert sein und einem Monate bis Jahre eigener Recherche ersparen.

3) Kein hierarchisches Gefälle vs. Wissenshierarchie

Da ein Experte per definitionem über ein sehr viel größeres Wissen gegenüber seinem Klienten verfügt, entsteht hier eine gewisse Hierarchie. Da der Klient eines Steuerberaters die aktuelle Gesetzeslage zu Steuern nicht so gut kennt wie sein Berater, kann er die Richtigkeit seiner Ratschläge nicht selbst überprüfen. Ein gutes Vertrauensverhältnis ist hier essentiell.

Vertrauen sollten Sie natürlich auch zu Ihrem Coach haben, aber Coaches sind in der Regel sehr viel mehr in einer begleitenden Rolle. Einem Coach geht es weniger darum seinem Klienten Ratschläge zu erteilen als vielmehr ihm erkennen zu helfen, was in seiner Situation die besten Handlungsoptionen sind.

4) Aktivierung von Ressourcen vs. Externe Ressource

Darüber hinaus ist die Aufgabe eines Coaches nicht nur Klarheit zu schaffen, sondern seinen Klienten auch handlungsfähig zu machen. Man spricht hier auch von der Aktivierung von Ressourcen. Hierbei hilft wieder die Methodenvielfalt des Coaches, der durch Training und verschiedene Übungen bereits Gelerntes dem Klienten bewusst machen kann und ihn dabei anleitet, dies auch in die Praxis umzusetzen.

Im Gegensatz dazu handelt es sich bei einem Experten um eine externe Ressource für den Klienten. Er erweitert und vertieft sein Wissen in einem bestimmten Bereich durch seinen Berater.

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Abgrenzung

Heutzutage sind oftmals beide Rollen – Berater und Coach – in einer Person vertreten. Ob Sie aber gegebenenfalls zu einem Fitnessberater oder Fitnesscoach gehen sollten, hängt von Ihren Bedürfnissen ab:

• Sind Sie noch auf der Suche nach Klarheit und Orientierung, was Sie eigentlich wollen und brauchen? -> Coaching

• Suchen Sie einen Fachmann, der Ihnen Zeit und Geld erspart, sich in ein völlig neues Gebiet einzuarbeiten?-> Beratung

• Glauben Sie schon die wichtigsten Fakten zum Thema zu kennen, haben aber große Mühe damit, diese in der Praxis anzuwenden? -> Coaching

Wir hoffen dieser Artikel hilft Ihnen,sich besser auf dem Beratungs-Coaching-Markt zu orientieren. Denn dieser hat sich in den letzten Jahrzehnten in Deutschland stark vergrößert und hat auch deutlich an Komplexität gewonnen. Bei "Coaching" handelt es sich bis heute um keinen geschützten Begriff, sodass sich - unabhängig von jeglicher Ausbildung - von Nachhilfelehrern bis hin zu Managern jeder "Coach" nennen kann.

Bei weiteren Fragen stehen wir darum jederzeit gerne auch persönlich zur Verfügung.

Quellen:

- Möller, Heidi, Silja Kotte (2016) "Diagnostik im Coaching kurzgefasst. Eine Einführung für Berater, Personaler und Führungskräfte"; Springer, Wiesbaden.
- Triebel, Claas, Jutta Heller, Bernhard Hauser, Axel Koch (Hrsg.) (2016) "Qualität im Coaching. Denkanstöße und neue Ansätze: Wie Coaching mehr Wirkung und Klientenzufriedenheit bringt"; Springer, Berlin Heidelberg.
- Mai, Jochen (2016) "Karrierecoaching: Den richtigen Karriereberater finden", aufrufbar unter http://karrierebibel.de/karrierecoaching/ (letzter Abruf: 25.02.2017).
- Rauen, Christopher: "Unterschiede zwischen Coaching und Beratung", abrufbar unter https://www.coaching-report.de/definition-coaching/modelltheoretischer-hintergrund/coaching-vs-beratung.html (letzter Abruf: 25.02.2017).

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