Beratung – Quo Vadis?

Beratung - Quo vadis?

Beratung erfüllt in vielerlei Hinsicht eine wichtige Funktion, um Menschen bei Bildungsentscheidungen, bei Fragen ihrer beruflichen Entwicklung und bei der Suche nach Beschäftigungsmöglichkeiten zu unterstützen und zu begleiten. Diese Beratung muss hohen Qualitätsansprüchen genügen, um den vielfältigen Anliegen der Nutzerinnen und Nutzer gerecht zu werden und damit auch die an die Bildungs- und Berufsberatung geknüpften gesellschaftlichen Erwartungen zu erfüllen.“[nfb]

Dieser Auszug aus dem Verbundprojekt „Offener Koordinierungsprozess zur Qualitätsentwicklung“ ermöglicht uns zu erahnen wie grenzenlos und auch unübersichtlich sich das Feld der Beratung erstrecken kann. Wer heute gerne beraten möchte, der kann dies tun. Ob innerhalb der Familie, freundschaftlich gemeinte Ratschläge oder über “professionelle” Beratung; sie ist im Alltag fast unumgänglich und überall anzutreffen. In Zeiten der sich stets wandelnden Gesellschaft, einer sogenannten globalen Gemeinschaft, ist für uns vor allem die Auseinandersetzung mit uns selbst wichtig, unserem Handeln und der Suche danach, wer wir eigentlich sind. Haben wir uns ein Bild darüber gemacht, wer wir sind und wissen wir, wo wir hinwollen, so sind wir schon einen guten Schritt weiter gekommen.

Als außerordentlich hilfreich erweist sich dabei diejenige Art von Beratung, die uns hilft herauszufinden, was unsere Stärken  sind und wo sich unsere Ressourcen befinden und wie wir diese schließlich verwenden können, um den Weg zu gehen, den wir gerne gehen möchten.

Tendenzen in der Beratung

Was eine Beratung eigentlich “wirksam” macht, liegt zum einen in der persönlichen Empfindung und zum anderen in der Art der Herangehensweise. Viele Faktoren spielen bei der Wirksamkeit eines Beratungsgespräches eine Rolle. Vergegenwärtigt man sich, dass es ein wesentliches Merkmal der lösungsorientierten Beratung ist, zunächst Ist- und Soll-Zustände zu ermitteln, bevor sich Lösungsansätze aufstellen lassen, trifft man auf das Prinzip der Synergetik, die Lehre vom Zusammenwirken. Jedes Anliegen eines Ratsuchenden ist eingebettet in bestimmte Lebensumstände und verschiedenen Einflussfaktoren unterworfen. Der Begriff der Synergetik bezeichnet also die beiderseitige Beeinflussung und Kooperation einzelner Systeme innerhalb eines größeren Gesamtkomplexes. Als Synergieeffekt versteht man dann die Wirkung, die sich aus einem solchen Zusammenspiel ergibt. Aus einer Analyse dieses Zusammenspiels können Regeln und Muster abgeleitet, Veränderungspotenziale erkannt und schließlich ein Prozess der Selbstorganisation angeregt werden. Vornehmlich ist es aber auch die individuelle und einzigartige Zusammenstellung des Beratungsgeschehens, des Anliegens und der Personenkonstellation, die eine Beratung zu dem macht, was sie ist.

Die lösungsorientierte Beratung

Die psychotherapeutische Herangehensweise, in Abgrenzung zum Beratungsformat, fokussiert sich auf die Vergangenheit des Klienten, um so das gegenwärtige Verhalten des Klienten besser verstehen zu können. Letztlich begegnen sich die Psychotherapie und die Beratung Hand in Hand und sind eher aufgrund ihrer Akzentuierungen, wie beispielsweise der Dauer, der Störungstiefe und der Einbindung gesetzlich geregelter Gesundheitssysteme zu unterscheiden.

Auch steht oftmals die Analyse der Vergangenheit im Vordergrund und nimmt unseres Erachtens zu viel Zeit in Anspruch und kann für den Berater und den Klienten eine längere Auseinandersetzung bedeuten. Dabei fokussiert man sich vornehmlich auf Problematiken, Traumata und schwierige Thematiken. Unsere Beratung basiert vornehmlich auf den Ansätzen der lösungsorientierten Beratung, welche das Prinzip der Synergetik verinnerlicht hat. Dabei liegt das besondere Augenmerk nicht auf den Defiziten, sondern auf den Potenzialen des Klienten. Dies unterstützt die Abbildung 9, aus der sich entnehmen lässt, dass der größere Teil des Beratungserfolges maßgeblich durch die Haltung, die Stärken und die Haltungen des Klienten beeinflusst werden kann. Darüber hinaus spielt aber auch der Aufbau einer förderlichen Beziehung während des Beratungsgespräches eine wesentliche Rolle, in Bezug auf emotionale Faktoren, wie Empathie, Wärme und Achtung vor der anderen Person.

Beratung - Quo vadis? Abbildung zur Beratungskompetenz

Hilfreich ist auch, dass der Fokus der lösungsorientierten Beratung auf der Zukunft liegt, wobei dem Klienten die Möglichkeit geboten wird, sein Anliegen oder Problem in einer anderen Art und Weise wahrnehmen zu können. Besonders in der heutigen schnelllebigen Gesellschaft ist die Förderung des Selbstorganisationsprozesses essenziell. Sogenannte Wirkprinzipien können innerhalb des Beratungsgeschehens diesen Selbsorganisationsprozess unterstützen.

Die Orientierung an diesen Wirkprinzipien verstärkt die “theoretische Fundierung des praktischen Handelns von Beratern, eine prozessadäquate Organisation der Veränderungsprozesse und eine Komplexitätsreduktion der Praxis […].” Letztlich finden wir es besonders wichtig eine passende und angenehme Atmosphäre für eine Beratungssitzung aufbauen zu können, um individuelle Anliegen adäquat bearbeiten zu können  (Schritt 1). Dabei werden klare Beratungsziele herausgearbeitet, damit jegliche Wünsche des Klienten an oberster Stelle stehen (Schritt 2). Vornehmlich konzentrieren wir uns dabei auf die Zukunft und Zielvorstellung des Klienten und mit welchen Ressourcen dies erreicht werden kann (Schritt 3). Angemessene und individuell angepasste Methoden können bei der Lösungsfindung als Unterstützung dienen (Schritt 4). Schließlich gilt es zu erarbeiten, wie Veränderungen, Maßnahmen und Ziele dauerhaft verinnerlicht werden können, damit sich der Klient für sein Leben erfolgreich und nachhaltig beraten fühlt (Schritt 5).

“Die lösungsorientierte Beratung hat [...] die Handlungsmöglichkeiten der Berater erweitert.”

Schritt 1: Bemühen um den möglichst gemeinsamen Aufbau einer guten Arbeitsatmosphäre in der Beratung.

Schritt 2: Herausarbeitung klarer Beratungsziele.

Schritt 3: Orientierung des Klienten auf Lösungen hin.

Schritt 4: Entwicklung lösungsbezogener Interventionen.

Schritt 5: Aufrechterhaltung des Ziels: Wie hilft man dem Klienten Veränderungen dauerhaft zu machen?

Literaturverweise

Ertelt,B-J./Schulz, W.E.: Handbuch Beratungskompetenz. 3te Auflage. Wiesbaden: Springer 2015

Haken,H./Schiepek,G.: Synergetik in der Psychologie. Göttingen: Hogrefe 2006

Nationales Forum Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung (nfb) und Forschungsgruppe Beratungsqualität am Institut für Bildungswissenschaft der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg: Ergebnisse des Offenen Koordinierungsprozesses Qualitätsentwicklung 2009-2011. Berlin/Heidelberg: wbv 2012

Schiersmann,C./Thiel,H.-U.: Beratung als Förderung von Selbstorganisationsprozessen.Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2012

Von Claudia Behrendt

Veröffentlicht am 20.10.2015 

Bei dem hier veröffentlichen Blogeintrag handelt es sich lediglich um die persönliche Meinung des Autors und nicht um die offizielle Meinung der HDK Heidelberg Kolleg UG (haftungsbeschränkt)

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